Mein erster Hund und ich…

Es ist lange her, noch ein paar Jahre vor meiner Geburt, da kam eine kleine Boxerhündin auf die Welt. Sie war nicht nur reinrassig, sie hatte sogar einen vornehmen Stammbaum. Sie wurde Bella genannt. Bella von Annerschacht. Vornehm nicht wahr? Aber das garantierte ihr kein Glück in den ersten Jahren ihres Lebens.

Bellas Herrchen war ein guter Mann, nur leider arbeitete er sehr viel und war fast nie zu Hause. Seine Frau mochte Bella nicht. Vielleicht hatte sie einfache nur Angst vor Bella, wer weiß. Jedenfalls verbrachte die arme Bella fast ihre ganze Zeit im alten Hühnerstall eingesperrt. Kaum ein bisschen Bewegungsfreiheit in dem ganz kleinen ehemaligen Hühnergehege und nur kalter Betonboden um sich hinzulegen. Essen bekam sie auch nicht genug und oft musste sie mit knurrendem Magen einschlafen. Meine Eltern wohnten im Nachbarhaus und meine Mutter sah dass es dem armen Hund nicht gut ging. Aber damals sagte niemand etwas über solche Sachen. Außerdem war der Nachbar auch der Vorgesetzte meines Vaters der am Anfang seiner Karriere stand. Somit konnte meine Mutter nichts sagen und es wäre auch keiner da gewesen um zuzuhören hätte sie es versucht. So tat sie das einzige das in ihrer Reichweite war: durch den Gitterzaun gab sie Bella regelmäßig etwas zu essen und sprach ihr zu. Der Grubengärtner, der sich um alle Häuser der Strasse kümmerte, sah was sie machte und fand es gut. 
Eines Tages wurde der Nachbar versetzt und musste deshalb umziehen. Der Gärtner sagte ihm dass meine Mutter den Hund mochte und fragte ihn ob er ihn kurz zu ihr bringen könnte damit sie sich wenigstens einmal in Person begegnen konnten. Der Nachbar willigte ein und so brachte der Gärtner Bella zu meiner Mutter, die zu dieser Zeit mit mir schwanger war. Bella erkannte sie natürlich sofort und entschloss dass sie da bleiben wollte und nicht mehr in den Hühnerstall zurück wollte. So stemmte sie sich mit aller Kraft dagegen als der Gärtner sie zurück bringen wollte. Und ein Boxer ist nun mal kräftig… Es blieb dem Gärtner nichts anderes übrig als dem Nachbar die ganze Geschichte zu erzählen. Dieser kam, schaute sich die Sache an und sagte „Ich habe leider keine Zeit mich um den Hund richtig zu kümmern und ich weiß dass meine Frau ihn nicht mag. Ich sehe aber dass sie hier glücklich sein könnte, also wenn sie sie wollen, schenke ich sie ihnen.“ 
Und so kam es dass bei meiner Geburt Bella mich mit Freude empfing und ich das riesige Glück hatte ihre bedingungslose und aufopfernde Liebe erfahren zu dürfen. Sie beschützte mich gegen jeden der ihr nicht gut genug erschien und gegen alles das mir hätte Angst machen können.

Beim Einkaufen ließ meine Mutter mich immer im Kinderwagen vor dem Geschäft und sagte „Bella, pass auf“. Und Bella setzte sich neben meinen Kinderwagen und knurrte wenn jemand zu nah kam… was immer reichte.

Bei Gewitter kam Bella immer in mein Zimmer, obwohl sie genau wusste dass meine Eltern ihr verboten in die Schlafzimmer zu gehen, und legte sich neben mein Bett. Ich durfte alles. Ich kletterte als Baby auf ihren Rücken und sie trug mich herum. Mit ihr lernte ich gehen und habe ihr sicher einige Mal weh getan wenn meine kleinen Hände sich krampfhaft an ihr festhielten. Aber nie hat sie auch nur ganz leise gegen mich geknurrt. Es war eine schöne Zeit mit ihr und eine glückliche Kindheit. 

Leider hatten die Jahre in denen sie auf dem kalten Betonboden musste schlafen Spuren hinterlassen und sie erkrankte an Unterleibskrebs. Meine Eltern ließen sie einschläfern als sie anfing Schmerzen zu haben. Und ich musste lernen ohne sie zu leben. 
Danke für alles Bella und vor allem mir schon ganz klein gezeigt zu haben wie sehr ein Tier uns lieben kann.

© by Barbara Sch. 

 

Vielen Dank an Barbara für die Erlaubnis der Veröffentlichung.

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